Wohnen
Die Wohnkultur
Der Begriff „wohnen“ ist ein fester Bestandteil unserer heutigen Kultur und Sprache. Doch wenn man sich einmal intensiver mit diesem Wort befasst findet sich keine eindeutige Definition. Im deutschsprachigen Raum ist es im engeren Sinne mit dem Leben in einem abgeschlossenen Raum, der Wohnung, verbunden. Spielte sich früher das Beisammensein an der Feuerstelle in der Mitte des Hauses ab, so verbringen Familien heutzutage die meiste Zeit zusammen im Wohnzimmer, dem zentralen Punkt des familiären Lebens. In jedem Kulturkreis hat der Begriff eine andere Bedeutung und kann nur schwer in eine Form gebracht werden. In der westlichen Gesellschaft hat das Wohnen eher einen funktionalen Wert, der klar von der Öffentlichkeit abgetrennt wird und mit persönlichen Bedürfnissen einhergeht.
Ein Wort mit vielen Facetten
Der Ursprung des Wortes liegt im Althochdeutschen und bedeutet so viel wie „bleiben“ oder im Entferntesten auch „zufrieden sein“. Es handelt sich also um einen Zustand, der einen engen Bezug zum Heimatgefühl hat. Das Leben an einem bestimmten Ort mit all seinen Facetten und den damit verbundenen Vor-und Nachteilen. Ein Ort, an dem sich die Intimsphäre konzentriert und ausgelebt werden kann. Der Philosoph Martin Heidegger hat sich ausgiebig mit dem Thema im Zusammenhang mit der Existenz des Menschen befasst und die Heimat in Verbindung mit dem Begriff „Wohnung“ als Resultat der Suche des Menschen nach dem inneren Wesen betrachtet. In der englischen Sprache macht man keinen Unterschied zwischen „wohnen“ und „leben“. Das Leben verschmilzt mit dem Wohnraum. Der Ursprung unserer heutigen Wohnkultur liegt in der Zeit des aufstrebenden Bürgertums. Im Zuge der Industrialisierung wurden Arbeit und Wohnung immer mehr differenziert, wodurch sich im eigenen Heim nun genug Platz für Familienleben und Privatsphäre befand. Dies gipfelte in der Zeit des Biedermeier. Der deutsche Bürger schuf sich und seiner Familie in den eigenen vier Wänden eine kleine heile Welt, in der das Wohnen als Teil des familiären Lebens zelebriert wurde. Dieser Wohn-Kult wird bis heute fortgeführt und noch oft mit dem Begriff „Spießbürgertum“ in Verbindung gebracht.
Der Wohnraum
In Bezug auf die Wohnung spricht man hier von der Behausung eines Menschen oder einer Menschengruppe, die auf einem Raum zusammenleben, den sie als den Mittelpunkt ihres alltäglichen Lebens bezeichnen. Sie besteht aus mehreren, miteinander verbundenen Zimmern innerhalb eines Wohnhauses und wird entweder nach der Fläche der Quadratmeter oder nach der Zimmeranzahl kategorisiert. Eine typische Wohnung besteht in der Regel aus einem Flur, einem Bad, einem Wohnzimmer, einer Küche und einem Schlafzimmer. Meistens werden Küche, Schlaf-und Wohnzimmer aus Platzgründen in einem Raum zusammengefasst. Um das Wohnen so angenehm und nützlich wie möglich zu gestalten wird die Wohnung mit Möbeln bestückt. Diese werden nach Funktion und Ästhetik ausgewählt. Aus Kostengründen wohnen die meisten Leute zur Miete statt in sogenanntem Wohneigentum. Die Mietwohnungen lassen sich je nach Lage und Größe in Kategorien wie Appartement, Maisonette oder Loft unterteilen.